7 Min. Lesezeit

Gusseisenpfanne: Der große Ratgeber für Kauf und Küche

Eine Gusseisenpfanne hält Generationen und brät wie kaum eine andere. Hier erfährst du, welche Variante zu dir passt und wie du sie richtig einsetzt.

Gusseisenpfanne: Der große Ratgeber für Kauf und Küche

Eine Gusseisenpfanne ist das Gegenteil von Wegwerfgeschirr. Sie ist schwer, sie braucht einen Moment, bis sie heiß ist, und sie verzeiht keine Spülmaschine. Dafür belohnt sie dich mit einer Kruste auf Steak, Bratkartoffeln und Maisbrot, die du mit leichten Pfannen kaum hinbekommst. Viele Köchinnen und Köche kochen seit Jahrzehnten mit derselben Pfanne, manche Stücke werden sogar vererbt.

In diesem Ratgeber geht es um das Material selbst: Was Gusseisen besonders macht, worin sich rohes und emailliertes Gusseisen unterscheiden, wie du mit Gewicht und Hitze umgehst und woran du beim Kauf eine gute Pfanne erkennst.

Schwarze gusseiserne Bratpfanne mit kurzem Gegengriff auf einem Gasherd, darin zwei Rindersteaks mit dunkelbrauner Kruste und etwas Rosmarin, leichter Dampf, rustikale Küche im Hintergrund

01

Was Gusseisen besonders macht

Gusseisen ist eine Eisenlegierung mit relativ hohem Kohlenstoffgehalt, die flüssig in eine Form gegossen wird. Daher kommen die dicken Wände und der massive Boden. Genau diese Masse ist der Kern der Sache: Gusseisen leitet Wärme eher mäßig, speichert sie aber hervorragend. Einmal durchgeheizt, gibt die Pfanne ihre Energie gleichmäßig an das Bratgut ab und kühlt kaum ab, wenn du ein kaltes Stück Fleisch hineinlegst.

Das ist der Unterschied zwischen Anbraten und Kochen im eigenen Saft. Eine dünne Pfanne verliert beim Einlegen schlagartig Temperatur, Flüssigkeit tritt aus, und aus der erhofften Kruste wird graues Fleisch. Die hohe Wärmespeicherung von Gusseisen hält die Oberfläche heiß genug für eine kräftige Bräunung.

  • Hitzefest: Rohes Gusseisen verträgt Herd, Backofen, Grill und sogar offenes Feuer.
  • Induktionsgeeignet: Gusseisen ist ferromagnetisch und funktioniert auf jedem Induktionsfeld.
  • Langlebig: Es gibt keine Beschichtung, die sich abnutzen könnte. Eine rohe Gusspfanne lässt sich fast immer wieder herrichten.

Die Kehrseite: Gusseisen ist spröde. Fällt eine Pfanne auf Fliesen, kann sie reißen. Auch extreme Temperaturschocks, etwa kaltes Wasser in eine glühend heiße Pfanne, solltest du vermeiden.

Passend dazuGusseisenpfanneAmazon →

02

Roh oder emailliert: die zwei Welten des Gusseisens

Beim Kauf stehst du zuerst vor dieser Entscheidung. Beide Varianten bestehen aus demselben Grundmaterial, verhalten sich im Alltag aber deutlich unterschiedlich.

Rohes Gusseisen

Die Oberfläche ist offen und wird durch Fett und Hitze nach und nach mit einer schwarzen Schutzschicht überzogen, der Patina. Je länger du die Pfanne nutzt, desto glatter und antihaftender wird sie. Die meisten rohen Pfannen kommen heute bereits vorbehandelt in den Handel, du kannst also sofort loslegen. Rohes Gusseisen ist robust, verträgt sehr hohe Temperaturen und ist die klassische Wahl für scharfes Anbraten.

Emailliertes Gusseisen

Hier ist das Eisen mit einer glasartigen Emailschicht überzogen. Die Pfanne rostet nicht, braucht keine Patina und verträgt auch saure Zutaten wie Tomaten, Wein oder Essig ohne Weiteres. Dafür ist Email empfindlicher gegen Schläge und sollte nicht leer auf höchster Stufe überhitzt werden. Innen gibt es matte schwarze Emaillierungen, die sich gut zum Braten eignen, und helle, glatte Varianten, die eher zum Schmoren gedacht sind.

MerkmalRohes GusseisenEmailliertes Gusseisen
OberflächeOffen, entwickelt PatinaGlasartige Emailschicht
RostgefahrJa, bei Nässe und ohne FettKaum, außer an unglasierten Rändern
Saure SpeisenNur kurz, sonst leidet die PatinaProblemlos
Sehr hohe HitzeSehr gut geeignetNicht leer überhitzen
PflegeNach dem Spülen trocknen und leicht einölenSpülen, trocknen, fertig
PreisklasseGünstig bis MittelklasseMittelklasse bis hochpreisig

Faustregel: Wer vor allem scharf brät, grillt und im Ofen backt, greift zu rohem Guss. Wer oft schmort, Saucen reduziert und keine Lust auf Patinapflege hat, ist mit emailliertem Gusseisen gut bedient.

Passend dazuEmaillierte GusseisenpfanneAmazon →
Zwei Gusseisenpfannen nebeneinander auf einem Holzbrett, links eine rohe schwarze Pfanne mit matter Patina, rechts eine emaillierte Pfanne mit roter Außenseite und cremefarbener Innenseite, Draufsicht

03

Gewicht: Vorteil und Herausforderung

Eine gusseiserne Pfanne mit 28 cm Durchmesser wiegt je nach Wandstärke grob zwischen 2,5 und 4 kg. Das ist kein Nachteil an sich, denn die Masse ist ja genau der Wärmespeicher. Im Alltag bedeutet es aber: Schwenken und Wenden aus dem Handgelenk ist schwierig, und eine volle Pfanne mit einer Hand vom Herd zu heben kostet Kraft.

Ein paar Tipps aus der Praxis:

  • Achte auf einen Gegengriff gegenüber dem Stiel. Damit trägst du die Pfanne mit beiden Händen.
  • Wende Bratgut mit einem Pfannenwender statt durch Schwenken.
  • Wenn dir 28 cm zu schwer sind, ist eine 24er oft der bessere Allrounder für ein bis zwei Personen. Mehr dazu im Ratgeber zur passenden Pfannengröße.
  • Glaskeramikfelder mögen es nicht, wenn schwere Pfannen darüber geschoben werden. Heb die Pfanne lieber an.
Passend dazuSauteuseAmazon →

04

Richtig vorheizen: der wichtigste Handgriff

Weil Gusseisen Wärme nur mäßig leitet, verteilt sie sich im Boden langsam. Wer die Pfanne kalt auf die höchste Stufe stellt, bekommt einen heißen Fleck über der Heizzone und kühlere Ränder. Bei Induktion ist dieser Effekt besonders deutlich, weil die Hitze direkt im Boden entsteht und sehr schnell ansteigt.

  1. Stell die leere Pfanne auf mittlere Stufe.
  2. Lass sie 5 bis 10 Minuten durchheizen, je nach Größe und Herd.
  3. Prüf die Hitze: Ein paar Tropfen Wasser sollten zischen und rasch verdampfen oder als Kügelchen tanzen.
  4. Jetzt erst Fett hinein, kurz verteilen und das Bratgut einlegen.
  5. Bei Bedarf die Stufe erhöhen. Die Masse der Pfanne puffert, du musst selten auf die Maximalstufe gehen.

Für Steaks darf es heißer sein, für Eier und Pfannkuchen reicht deutlich weniger. Welches Fett du wofür verwendest, hängt vom Rauchpunkt ab. Tipps dazu findest du im Artikel über das richtige Öl zum Braten.

Leere schwarze Gusseisenpfanne auf einem Induktionskochfeld bei mittlerer Stufe, über der Oberfläche flimmert leicht die Hitze, daneben ein kleines Kännchen Öl und ein Holzspatel

05

Einbrennen und Patina in Kürze

Rohes Gusseisen wird heute meist vorbehandelt verkauft. Trotzdem lohnt es sich, die Patina in den ersten Wochen gezielt aufzubauen: Brate öfter fettreiche Speisen, etwa Bratkartoffeln, Speck oder Zwiebeln, und reib die Pfanne nach dem Spülen mit einem Hauch Öl ein. Säurehaltige Gerichte und lange Kochzeiten mit Wasser lässt du anfangs besser weg.

Ist die Schutzschicht einmal beschädigt oder zeigt sich Rost, brennst du die Pfanne einfach neu ein. Das Prinzip ist bei Gusseisen und Eisenpfannen gleich. Die ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Backofen- und Herdmethode findest du im Ratgeber Eisenpfanne einbrennen.

Passend dazuEisenpfanne aus SchmiedeeisenAmazon →

06

Was du in der Gusseisenpfanne brätst

Gusseisen spielt seine Stärken überall dort aus, wo gleichmäßige, kräftige Hitze gefragt ist und das Bratgut Zeit bekommt, eine Kruste zu bilden. Die Maillard-Reaktion, die für Röstaromen sorgt, läuft auf einer heißen, stabilen Oberfläche am besten.

  • Steaks und Koteletts: Die klassische Paradedisziplin. Wie du dabei vorgehst, zeigt der Ratgeber Steak braten in der Pfanne.
  • Bratkartoffeln und Rösti: Die Pfanne bleibt heiß, auch wenn du sie gut füllst.
  • Burger-Patties und Smash Burger: Hoher Anpressdruck und Hitze ergeben eine knusprige Oberfläche.
  • Gemüse mit Röstaromen: Blumenkohl, Rosenkohl, Paprika.
  • Aus dem Ofen: Maisbrot, Dutch Baby, Tarte Tatin, Schmorgerichte ohne Deckel.
  • Auf dem Grill: Rohes Gusseisen ohne Holzgriff kann direkt auf den Rost.

Weniger ideal sind sehr empfindliche Speisen wie Fischfilets mit dünner Haut oder Omeletts, solange die Patina noch jung ist. Mit gut eingebrannter Pfanne und genug Fett gelingen aber auch Spiegeleier problemlos.

Passend dazuBeschichtete Bratpfanne 28 cmAmazon →
Gusseisenpfanne auf einem Holztisch mit goldbraunen Bratkartoffeln, Zwiebelringen und Speckwürfeln, daneben eine gusseiserne Pfanne mit frisch gebackenem Maisbrot im Anschnitt

07

Kaufkriterien: So erkennst du eine gute Gusseisenpfanne

Auch bei Gusseisen gibt es große Qualitätsunterschiede. Achte beim Kauf auf folgende Punkte:

  • Ebener Boden: Gerade auf Induktion und Glaskeramik ist ein planer Boden wichtig. Leg die Pfanne auf eine glatte Fläche: Sie sollte nicht kippeln.
  • Gleichmäßige Wandstärke: Gut gegossene Pfannen haben keine auffällig dünnen oder dicken Stellen und keine Lunker (Luftblasen im Guss).
  • Oberfläche: Manche Pfannen sind innen glatt geschliffen, andere haben die raue Sandgussstruktur. Glatte Böden lösen sich anfangs leichter, raue halten die Patina gut. Beides funktioniert.
  • Griffe: Ein Gegengriff ist bei Größen ab 26 cm sehr hilfreich. Einteilig gegossene Griffe sind backofenfest, werden aber heiß. Denk an einen Topflappen.
  • Ausgießer: Seitliche Tüllen erleichtern das Abgießen von Fett.
  • Größe und Randhöhe: Flache Ränder für Steaks und Pfannkuchen, höhere Ränder für Schmorgerichte.
  • Emaillierung: Bei emaillierten Pfannen sollte die Glasur gleichmäßig, ohne Blasen und ohne Abplatzer am Rand sein.

Einen Überblick über alle Materialien im Vergleich findest du unter Pfannenarten.

08

Pflege in Kürze

Rohes Gusseisen braucht wenig, aber das Richtige. Spül die Pfanne mit heißem Wasser und einer Bürste, ein kleiner Tropfen Spülmittel schadet einer gut aufgebauten Patina nicht. Danach vollständig trocknen, am besten kurz auf dem Herd, und hauchdünn einölen. Nicht einweichen, nicht in die Spülmaschine. Angebrannte Reste löst du mit etwas grobem Salz und einem Küchenpapier.

Emailliertes Gusseisen wäschst du wie normales Geschirr von Hand. Scheuermittel und Metallschwämme solltest du meiden, damit die Glasur nicht leidet. Ausführliche Pflegetipps für alle Materialien bündelt die Seite Pfannenpflege.

09

Häufige Fragen

Ist eine Gusseisenpfanne für Induktion geeignet?

Ja. Gusseisen ist ferromagnetisch und funktioniert auf jedem Induktionsfeld. Heiz die Pfanne dort aber langsam auf mittlerer Stufe vor, damit sich die Wärme gleichmäßig verteilt und der Boden nicht unter Spannung gerät.

Darf ich Spülmittel verwenden?

Bei rohem Gusseisen mit gut aufgebauter Patina ist ein wenig mildes Spülmittel kein Problem. Die Schutzschicht besteht aus polymerisiertem Fett und lässt sich nicht einfach abwaschen. Einweichen und Spülmaschine solltest du dagegen vermeiden.

Warum klebt in meiner neuen Gusseisenpfanne alles an?

Meist ist die Pfanne nicht ausreichend vorgeheizt, oder die Patina ist noch jung. Heiz länger auf mittlerer Stufe vor, nimm etwas mehr Fett und brate anfangs bevorzugt fettreiche Gerichte. Nach einigen Wochen regelmäßiger Nutzung wird es deutlich besser.

Kann ich Tomatensauce in Gusseisen kochen?

In emailliertem Gusseisen jederzeit. In rohem Gusseisen ist ein kurzes Ablöschen mit Wein oder Tomate bei guter Patina unkritisch, lange säurehaltige Schmorgerichte greifen die Schutzschicht jedoch an und können metallisch schmecken.

Wie lange hält eine Gusseisenpfanne?

Bei sachgemäßem Umgang praktisch unbegrenzt. Rost und abgenutzte Patina lassen sich beheben. Ein Riss im Guss ist dagegen nicht reparierbar, deshalb Stürze und extreme Temperaturschocks vermeiden.

Entdecken

Weiterlesen